Autismusdiagnostik per Video: Wie zuverlässig ist sie?
Eine aktuelle Studie untersuchte, ob eine strukturierte videobasierte Autismusdiagnostik bei Erwachsenen zu konsistenten diagnostischen Entscheidungen führen kann. Hierzu wurden 100 bereits durchgeführte telemedizinische Untersuchungen von einer unabhängigen Expertin erneut beurteilt, der die ursprünglichen diagnostischen Entscheidungen nicht bekannt waren.
Das untersuchte Verfahren umfasste meist zwei längere Interviews. Hinzu kamen feste Entscheidungsregeln, Verhaltensbeobachtungen, Fragebögen und – soweit verfügbar – Fremdinformationen.
Die ursprünglichen Beurteilungen und die Zweitbeurteilungen stimmten in 86 Prozent der Fälle überein. Diese beachtliche Übereinstimmung spricht dafür, dass eine sorgfältig strukturierte ASS-Diagnostik auch per Video zu konsistenten Entscheidungen führen kann.
Entscheidend ist somit nicht, ob die Untersuchung in Präsenz oder per Video stattfindet. Die diagnostische Qualität hängt vor allem davon ab, ob sämtliche Kriterien systematisch geprüft, verschiedene Informationsquellen einbezogen und die diagnostischen Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet werden.
Bei einer negativen ASS-Entscheidung ist zudem sorgfältig zu prüfen, ob autistische Merkmale durch Masking, Kompensation oder die begrenzte Beobachtungssituation möglicherweise nicht unmittelbar sichtbar waren.
Quelle: Crehan et al.: Diagnostic Agreement of a Structured Telehealth Adult Autism Assessment, veröffentlicht am 12.10.2026